Grundregeln für Bergtouren


Im Gebirge kann die Witterung sehr schnell umschlagen, und es ist wichtig, immer auf Unwetter vorbereitet zu sein. Egal ob Sie nur ganz wenig oder ganz viel Outdoorerfahrung haben, sollten Sie sich immer der 9 Grundregeln für Bergtouren bewusst sein.

1. Gehen Sie nie eine lange Tour ohne entsprechendes Training zu haben.

2. Sagen Sie immer jemandem Bescheid, wohin Sie gehen.

3. Nehmen Sie die Wettervorhersage und Wetterzeichen ernst.

4. Hören Sie auf erfahrene Bergwanderer/-steiger.

5. Seien Sie auch auf kurzen Touren immer für Wetterumschläge ausgerüstet. Gehen Sie nie ohne Rucksack und die für die jeweilige Tour notwendige Ausrüstung los.

6. Benutzen Sie Karte und Kompass.

7. Gehen Sie nicht allein.

8. Kehren Sie rechtzeitig um. Umkehren ist keine Schande!

9. Sparen Sie Kräfte und suchen Sie Schutz/graben sich im Schnee ein.

1.Gehen Sie nie eine Streckenwanderung ohne entsprechendes Training zu haben.Bevor Sie eine weite Tour/Mehrtagestour angehen, sollten Sie bereits einige Touren mit Rucksack hinter sich haben, und zwar sowohl auf markierten Pfaden als auch im Gelände. Benutzen Sie die notwendige Ausrüstung bereits mindestens einmal vor der Tour – da überprüfen Sie gleichzeitig, ob alles funktioniert wie es soll. Gehen Sie Trainingstouren in schlechtem Wetter und unter schwierigen Bedingungen. Viele lokale Wandervereine arrangieren Trainingstouren und andere Aktivitäten in Ihrer Nähe. Diese sind hervorragende Übung für eine Bergtour.

Wie weit sollen die Tagesetappen sein?

Die Touren- oder Etappenlänge müssen Sie Ihrer physischen und nicht zuletzt auch psychischen Form, Ihrer Erfahrung und Ihrer Ausrüstung anpassen. Kurzfristig müssen Sie bei der Wahl der Etappenlänge auch die Witterungsverhältnisse und die Schneebedingungen bzw. den Zustand der Route berücksichtigen. Bei Mehrtagestouren sollten Sie mit kürzeren Etappen starten und auch zwischendurch einen Ruhetag einlegen.

Planen Sie die Route und legen Sie einen Reserveplan

Gehen Sie die gewählte Route kritisch auf folgende Momente durch: Kann die Tour früher als geplant abgebrochen werden, falls das Wetter umschlägt? Kann die Route unterwegs geändert werden? Kann ein (extra) Ruhetag eingeschoben werden? Können bei guter Form Gipfelabstecher gemacht werden?

2.Sagen Sie immer jemandem Bescheid, wohin Sie gehen.

Ja, aber ich hab mich unterwegs umentschieden…

Wenn Sie jemandem Bescheid gesagt haben wohin Sie gehen und sich unterwegs umentscheiden, müssen Sie versuchen, das auch mitzuteilen. Sonst riskieren Sie, eine unnötige Suchaktion auszulösen.

 

Ich gehe von Hütte zu Hütte

Viele Berghütten, Hotels und Pensionen haben Briefkästen, wo man schriftlich eine Notiz über die geplante Tour hinterlassen kann. Wenn etwas passiert, kann das der Rettungsmannschaft eine grosse Hilfe sein.

Auf den Berghütten des DNT trägt man ins Hüttenbuch ein, woher man kommt und wohin man geht, aber es gibt keine systematische Kontrolle darüber ob alle ihr Ziel erreichen. Am besten ist es, Kontakt mit jemandem aufzunehmen, der die gleiche Strecke geht, so dass man gegenseitig checken kann, ob alle angekommen sind.

Bei Tagestouren mit der gleichen Übernachtungsstätte als Ausgangs- und Zielpunkt können Sie anderen Gästen oder den Wirtsleuten Ihre Routenwahl bekannt geben und das Tagesziel ins Hüttenbuch eintragen.

Ich will mich nicht an eine bestimmte Route binden!

In dem Fall sollten Sie keine Absprachen eingehen, welche mitführen, dass am Ziel auf Sie gewartet wird. Rüsten Sie sich für ein Notbiwak aus (im Winter eine Schneehöhle) und sagen Sie zu Hause Bescheid, wo die Tour ungefähr verlaufen soll und was getan werden soll, wenn Sie sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht wieder gemeldet haben.

Ich ruf vom Handy an…

Generell ist das Handynetz im Fjell sehr unzuverlässig bis im schlimmsten Fall über weite Strecken nicht existent. Sie sollten sich deshalb nie darauf verlassen, vom Handy aus Hilfe herbeirufen oder jemanden anrufen zu können, um Bescheid zu sagen, dass Sie am Ziel sind (oder auch nicht). Viele unnötige Suchaktionen werden dadurch ausgelöst, dass Absprachen um einen Anruf vom Handy wegen mangelnden Netzes nicht eingehalten werden können oder der Akku versagt.

3. Nehmen Sie die Wettervorhersage und Wetterzeichen ernst

Eine alte Daumenregel besagt, dass man eine schlechte Wettervorhersage immer respektieren und sich auf eine gute nicht verlassen soll. Unabhängig von der Wettervorhersage sollten Sie immer auf böse Überraschungen vorbereitet und entsprechend ausgerüstet sein. Planen Sie die Tour nach der Wettervorhersage, aber mit einem ausreichenden Sicherheitspuffer. Bereiten Sie sich immer darauf vor (auch psychisch), dass das Wetter schlechter als vorhergesagt werden kann, obwohl es natürlich genau so gut besser werden kann. Denken Sie daran, dass schon ein mittelmässiger Wind in Kombination mit Schneeregen oder Kälte Erfrierungen hervorrufen kann. Bei Niederschlag sind gerade Temperaturen um den Gefrierpunkt viel gefährlicher als Temperaturen im Minusbereich. Wetterumschwünge können früher oder später als vorhergesagt eintreten. Oft gelten die Vorhersagen grösseren Gebieten und sind sehr allgemein gehalten. Es können grosse lokale Unterschiede auftreten. Deshalb sollten Sie auch die Vorhersage für angrenzende Gebiete berücksichtigen und unterwegs die Wetterentwicklung sorgfältig mitverfolgen.

4. Seien Sie auch auf kurzen Touren immer für Wetterumschläge ausgerüstet. Gehen Sie nie ohne Rucksack und die für die jeweilige Tour notwendige Ausrüstung los.

Wenn das Unwetter eintrifft oder der Wind aufbläst und die Temperaturen fallen, müssen Sie sich schnellstens warm anziehen. Fängt es an zu regnen, müssen Sie die Regenkleidung überziehen bevor Sie nass und unterkühlt werden. Es ist von grosser Wichtigkeit, dass man sich rechtzeitig umzieht. Kalte und nasse Finger, Wind und Eisbildung können das Anziehen schnell ganz unmöglich machen. Helfen Sie anderen beim Anziehen. Im Winter sollten Sie eine winddichte und wasserabweisende, weite Jacke über einem warmen Pullover, eine winddichte lange Hose, doppelte Handschuhe (mit einem winddichten Aussenhandschuh und einem Woll- oder Fleecefäustling zuinnerst) und eine gute Mütze tragen. Im Sommer bietet ein Regenanzug über einem warmen Pullover, eine dünne Mütze und Handschuhe einen guten Schutz gegen Wind und Niederschlag.

Für Wanderungen/Skitouren von Hütte zu Hütte sind mittelgrosse Rucksäcke mit anatomischem Tragesystem eine gute Wahl. Ein Rucksack von 50-60 l Volumen ist in der Regel gross genug für die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände auf einer solchen Tour und geeignet für Lasten bis zu 12-15 kg. Mit Proviant und einem dickeren Schlafsack benötigt man schnell ein Volumen von 65-75 l, und auf Mehrtagestouren oder Touren mit Zeltübernachtungen muss ein noch grösserer Rucksack her. Die grossen anatomischen Rucksäcke (mit 70 bis 100 l Volumen) vertragen Lasten bis 25-30 kg. Muss es noch schwerer werden, sind Kraxen die einzige Lösung. Schwere Gegenstände werden so gepackt, dass sie dicht am Rücken anliegen. Ein Regenüberzug sorgt dafür, dass der Inhalt trocken bleibt.

5. Hören Sie auf erfahrene Bergwanderer/-steiger

Leute, welche sich in der Region gut auskennen, können mit wichtigen Hinweisen oder Tipps für die Tour kommen. Fragen Sie Hüttenwirte, Bergführer, Leute, die Sie unterwegs treffen oder andere von denen Sie glauben, dass Sie Ihnen wichtige Fragen bezüglich der Routenwahl, den Verhältnissen auf der Route, Lawinen-/Steinschlaggefahr oder Gehzeiten beantworten können. Vor Abreise können Sie Ihren lokalen Wanderverein oder die bedienten Berghütten im Zielgebiet um Rat fragen.

6. Benutzen Sie Karte und Kompass

Gehen Sie nie ohne Karte um Kompass los, und lernen Sie, beides zu benutzen. Benutzen Sie nur Karten der neusten Ausgabe. Zeichnen Sie nach Möglichkeit Ihre geplante Route auf der Karte ein oder studieren Sie die Route auf der Karte genau. Folgen Sie unterwegs auf der Karte mit, auch bei gutem Wetter und klarer Sicht, so dass Sie jederzeit genau wissen, wo Sie sich befinden. Wenn der Nebel erst gekommen ist, kann es schwierig/unmöglich sein, den genauen Standpunkt zu bestimmen. Lesen Sie die Karte der eigenen Position voraus und merken Sie sich Geländeformationen später entlang der Route, welche Sie in natura leicht wiedererkennen können. Vertrauen Sie dem Kompass. Benutzen Sie eine Kartentasche, welche Sie um den Hals und Körper tragen, so dass die Karte nicht wegwehen kann.

7. Gehen Sie nicht allein

Zum einen ist es netter mit Begleitung, und zum anderen ist es sicherer. Denn sollte wirklich etwas schief gehen, kann jemand Hilfe leisten und Hilfe holen. Ein gebrochener Ski weit drinnen auf der Vidda z.B. kann zu einer echten Herausforderung werden, wenn man allein ist. Vermeiden Sie jedoch grosse Gruppen und zufällige Bekanntschaften, besonders wenn die Voraussetzungen der Teilnehmer zu unterschiedlich oder unbekannt sind. Eine Gruppe ist nie stärker als ihr schwächstes Glied. Halten Sie immer Kontakt mit Ihrer Begleitung, auch wenn Sie ein Stück voraus gehen.

Verteilen Sie die Ausrüstung (Sicherheitsausrüstung, Proviant, Kleidung) gleichmässig zwischen allen Teilnehmern, so dass niemandem etwas Wichtiges fehlt, falls jemand von der Gruppe abkommt.

8. Kehren Sie rechtzeitig um. Umkehren ist keine Schande!

Trotzen Sie dem Wetter oder den Verhältnissen nicht. Kehren Sie um, sobald Sie im Zweifel darüber sind, ob das Ziel erreicht werden kann! Andere riskieren sonst vielleicht ihr Leben, um Ihrs zu retten. Bei Tagestouren in windigem, unstabilem Wetter sollten Sie die Tour so planen, dass Sie gegen den Wind gehen, denn dann ist der Rückweg bei einem Abbruch leichter.

Bei einer Tour von Hütte zu Hütte sollten Sie bei einem Abbruch oder einer Routenänderung versuchen, der nächsten Hütte, welche Sie erwartet, Bescheid zu geben.

9. Sparen Sie Kräfte und suchen Sie Schutz/graben Sie sich im Schnee ein.

Starker Wind verstärkt die Strapazen einer Tour. Passen Sie das Tempo dem Schwächsten an und vermeiden Sie, zu sehr zu schwitzen. Wenn Sie hintereinander gehen, müssen Sie sich ständig umdrehen und sich vergewissern, dass noch alle da sind. Es ist sehr wichtig, oft genug zu essen und zu trinken, auch wenn Pausen in schlechtem Wetter wenig einladend erscheinen mögen. Bei grossen Anstrengungen benötigt der Körper mehr Flüssigkeitszufuhr als Sie merken. Zu wenig Energie und Flüssigkeit macht Sie schlapp und lässt Sie leichter verzweifeln. Warten Sie nicht bis Sie ermattet sind, bevor Sie sich ein Notbiwak im Schnee graben oder anderweitig Schutz suchen. Es gibt Windschutzsäcke aus Nylon, die hervorragend als Windschutz für Pausen und als Notbiwak im Sommer geeignet sind, doch im Winter wird es darin schnell zu kalt, wenn man gezwungen ist, über einen längeren Zeitraum sitzen zu bleiben. Da sie wenig Platz wegnehmen und leicht sind, sollte so einer ohnehin im Gepäck nicht fehlen (es sei denn, man hat ein Zelt dabei).

WICHTIG: Das Schwierige in einer Notsituation ist, sich rechtzeitig für die Einrichtung eines Notbiwaks zu entscheiden, während man noch die Kräfte hat, z.B. eine Schneehöhle zu graben.

Wenn Sie richtig ausgerüstet sind, haben Sie zu keiner Jahreszeit ein Problem mit einer unfreiwilligen Übernachtung in den Bergen. Unter sicheren Verhältnissen und in Begleitung kann ein Notbiwak sogar eine gemütliche Angelegenheit sein. Aber Sie sollten gut vorbereitet sein und den Bau einer Schneehöhle geübt haben, so dass es in einer schwierigen Situation durchführbar ist. Gewöhnen Sie sich auch an, sich während des Gehens ständig nach geeigneten Plätzen/Schneewehen für ein Notbiwak umzusehen. Eine perfekte Schneewehe für eine Höhle liegt im Windschatten und ist 2 bis 5 m hoch. Höhere Schneewehen können eine Lawinengefahr darstellen. Die Tiefe zum festen Fels sollte ca. 3 m sein (Skistocklänge plus Armlänge).

Der Norwegische Wanderverein (DNT) hat weitere nützliche Information zu den Grundregeln für Bergwanderungen auf seiner Homepage www.turistforeningen.no

Quelle: DNT


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